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Adieu, Twitter!

Ich bin zur Zeit ein wenig dünnhäutig, was Social Media angeht. Wie ich im Blogpost heute Nachmittag schon geschrieben hab, geht mir die aktuelle Shitstorm-Kultur dermaßen auf den Geist.

Ich hatte eigentlich gar nicht vor, darauf so zeitnah erneut einzugehen, aber dann kam #heartgate. Zur Erläuterung: Twitter hat den Stern abgeschafft, mit dem Tweets gefavt werden konnten. Besternt wurde, weil man derselben Meinung war, weil man Mitgefühl hatte, weil man über den witzigen Spruch lachen konnte, weil man sich den Tweet für später merken und schnell wieder auffindbar machen wollte… you name it.

An die Stelle des Sterns ist nun ein Herz getreten. Ein animiertes noch dazu. Ein Herz, das vielen bei Twitter nicht gefallen hat, sei es der Optik wegen, der „Symbolkraft“ eines Herzens wegen oder auch einfach, weil die Animation die App abstürzen lässt.

Es dauerte nicht lange, bis die ersten Tweets derer auftauchten, die sich über die Leute aufregen, die sich über die Herzen aufregen.

Und dann ein Tweet, in dem Stand „Jetzt fehlen ja nur noch die Tweets von den Leuten die sagen, dass man sich nicht über die Herzen aufregen darf, weil es doch so viel Wichtigeres…“

Und noch mehr Aufregung über Herzen.

Und noch mehr Aufregung über Menschen, die nichts Besseres zu tun haben, als sich über Herzen aufzuregen.

Darf man sich denn überhaupt darüber aufregen, wo doch so viel Schlimmeres auf dieser Erde passiert? Nazikrise, TTIP, Frühsexualisierung, GEZ, Chemtrails, Helene Fischer – alles wichtiger!

Aber für wen eigentlich?

Ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich über Trendthemen in meiner Timeline die Augen rolle. Zum Beispiel, wenn gerade Fußball läuft. Denn Fußball interessiert mich einfach überhaupt nicht. Aber da seh ich den Unterschied. Ich rolle mit den Augen. Und dann rolle ich weiter.

Auch gehen mir vereinzelte Twitterer extrem auf den Geist, wegen teilweise extremer Sichtweisen, die völlig im Gegensatz zu meinen Ansichten sind. Manchmal frage ich nach, aber meistens rolle ich mit den Augen und denk mir „naja, abgesehen von dem Thema liest du diese Person wirklich gerne. So what?“.

Ich habe prinzipiell überhaupt nichts dagegen, wenn Menschen ihre Meinung sagen. Im Gegenteil, das ist ein essentieller Bestandteil unserer Gesellschaft, dass man sagen kann, was man will. Wenn mich ein Thema wirklich tangiert, kann ich oft auch nicht an mich halten. Und trotzdem verstehe ich nicht, warum manche Leute ihr Recht auf freie Meinungsäußerung vorrangig dafür benutzen, anderen Leuten ihre Themen schlecht zu reden. Interessiert mich nicht, berührt mich nicht, ich hab eine andere Meinung dazu, ALSO HALT GEFÄLLIGST DIE FRESSE.

Ich weiß, dass ich das gerade viel persönlicher nehme als ich müsste. Für mich überwiegen die Vorteile von Social Media und vor allem von Twitter trotz allem. Aber im Moment finde ich es so anstrengend, dass ich meinen Account heute deaktiviert habe. Ich kenne mich, ich werde bestimmt wieder kommen. Aber es tut bestimmt auch mal ganz gut, wenn ich mir mal nicht anderer Leute Kopf zerbreche und die Zeit effektiver nutze.

Daher sage ich es mit den Spice Girls: „Goodbye, my friend, it’s not the end!“

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